Gott sieht das Herz an

Am 13. November 2016 besuchte Bischof Dirk Hiddessen die Gemeinde Wolfenbüttel, zu der auch die Gemeinde Dorstadt eingeladen war.

Er diente mit dem Bibelwort aus 1. Samuel 16,7:

„Ein Mensch sieht was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz an.”

Am Anfang seiner Predigt ging der Bischof auf das Chorlied: „Worauf baust du, wem vertraust du“ (Chorbuch Nr. 194) ein und beleuchtete, wie wichtig das Vertrauen auf Gott und seiner Gemeinde in der heutigen Zeit ist: Es gibt Sicherheit.

Danach beschrieb er die Geschichte aus 1. Samuel 16. Einer der Söhne von Isai sollte König werden. Nachdem die ersten sieben Söhne sich dem Propheten Samuel vorgestellt hatten und von Gott nicht auserwählt wurden, fiel die Wahl letztendlich auf David. Dieser befand sich auf der Weide und musste geholt werden, da niemand damit rechnete, dass ein kleiner Hirtenjunge König werden könnte. Soweit zu dieser Geschichte.

Als Menschen nehmen wir vorrangig das auf, was für uns interessant ist. Je nach Fähigkeiten und Ansichten betrachten wir gleiche Situationen unterschiedlich. Bei einer ersten Begegnung entscheidet das menschliche Gehirn innerhalb einer zehntel Sekunde, ob wir einem Fremden vertrauen können oder nicht. Die Bibelstelle zeigt, dass dieser Ersteindruck falsch sein kann. Gott möchte, dass wir unseren Nächsten so sehen, wie Gott ihn sieht und liebt.

Die Ausführungen unterstrich der Bischof mit einem Zitat aus einem Gottesdienst unseres Stammapostels in Polen (August 2015):  „Da will uns der Geist Gottes hineinführen, dass ... wir nicht … auf die Äußerlichkeiten, die Meinungen und die Vorurteile … reagieren, sondern mehr und mehr den Nächsten sehen, wie Gott ihn sieht und wie Gott ihn liebt.“

Niemand kann den Nächsten richtig beurteilen und verstehen. Gott aber versteht jeden. Verstehen wir auch Gott? In den Evangelien lesen wir, dass Jesus oft missverstanden wurde und auch heute verstehen wir nicht immer das Wirken Gottes. Wir vertrauen auf die Zusage Jesu, dass uns der Heilige Geist zur rechten Zeit die nötigen Erkenntnisse schenkt.

Jesus bittet uns: „Bleibt bei meinem Wort und bei meiner Rede ... dann werdet ihr die Wahrheit erkennen …“

Hirte Arno Borchert (Gemeinde Seesen) gab den Impuls, dass der Gottesdienst uns eine Orientierung gibt und stellte die Frage: „Und wo stehe ich?“

Zur Vorbereitung auf das Heilige Abendmahl erklärte der Bischof, wovon unser Urteil über uns selbst abhängen kann:

  • Unsere Umgebung spiegelt uns (z.B. das ist ein liebvoller Mensch)
  • Durch bewussten und unbewussten Vergleich (z.B. in der der Schule bei der Notenvergabe: der ist besser und der ist schlechter als ich)

Unser Himmlischer Vater beurteilt uns nicht danach, was uns aus unserer Umgebung gespiegelt wird. Er vergleicht uns auch nicht mit anderen Menschen. Gott sieht das Bild, was er aus uns machen möchte und er weiß, welche Entwicklung wir dorthin noch benötigen. Er hilft uns durch sein Wort und seine Gnade, dieses wunderbare Ziel der Wesensgleichheit mit seinem Sohn zu erreichen.